Mitten hinein in den Sturm: Tornado-Fahrzeuge

Vor allem in bestimmten Gegenden der USA wissen die Menschen, wie sie sich bei einem Tornado zu verhalten haben: z.B. in den Keller oder in einen Bunker flüchten. Wohin man sich hingegen nie begeben sollte, sind Autos oder Wohnmobile. Diesen Ratschlag befolgen manche Menschen nicht. Sie werden sogenannte “Tornado-Chaser”, sie gehen also dorthin, wo die Tornados sich ihren Weg bahnen. Doch selbst dann bleiben sie meist mindestens 2 km vom eigentlichen Tornado entfernt. Doch es geht noch eine Stufe extremer.

Eigenschaften der Tornado-Abfang-Mobile

Denn sich gerade in das Auge des Tornados zu begeben, wagen manche Menschen mit sogenannten Tornado-Abfang-Fahrzeugen. Diese Autos könnten geradezu aus einem Apokalypsen-Film stammen. Die Fahrzeuge der “Storm Chaser” sind schwer gepanzert, um auch dem schwersten Sturm zu trotzen. Zusätzlich sind sie mit Allradantrieb ausgestattet und haben eine Wetterstation für meteorologische Messungen an Bord. Ein Modell ist sogar mit einer Beobachtungskuppel ausgerüstet. Dass die Fahrzeuge vorher normale Geländewagen oder Pick-Ups waren, ist nach dem Umbau nicht mehr zu erkennen.

Das TIV im Überblick

Das erste Tornado Intercept Vehicle (kurz TIV) war ein umgebauter 1997 Ford-F-450-Pickup. Diese Baureihe von Ford ist eines der meistverkauften Autos in den USA, weshalb es wenig verwundert, dass es für das Jagen von Tornados ausgesucht wurde – auch wenn einige Umbauten am Fahrzeug nötig sind. So wurde der Ford mit Stahlplatten und kugelsicheren Polycarbonat-Fensterscheiben ausgestattet. Klingt eigentlich mehr nach einem Panzer für den Krieg, doch ist es dafür gebaut worden, Tornados mit einer Intensität von EF0 bis EF3 (EF steht für Enhanced Fujita Scale) zu trotzen und mitten in sie hinein zu fahren. 

Zum Vergleich: Die höchste Stufe auf der Skala beträgt EF5, aber selbst bei EF3 können Windgeschwindigkeiten von bis zu 265 km/h erreicht werden. Stellen Sie sich vor, Sie würden mit Ihrem Familienauto in einen Sturm dieser Größenordnung fahren! Das TIV wiegt 6,5 Tonnen, wenn es voll beladen ist. Damit es trotz des hohen Gewichts nicht wegfliegt, kann es sich mit hydraulisch absenkbaren Klauen am Boden verankern.

Während der Sturm dann über das Fahrzeug hinweg zieht, werden wissenschaftliche Messungen durchgeführt und IMAX-Filmaufnahmen gemacht.

Größer, sicherer, höhere Reichweite: das TIV2

2007 baute man einen Nachfolger, den TIV2. Dieses Mal wählte man einen Dodge Ram 3500 und keinen Ford. Dieser hat eine Leistung von 625 PS und kann 1200 km fahren! Statt der absenkbaren Klauen des ersten Modells wurde dieses Mal eine absenkbare Schürze verwendet. Damit soll das Auto gegen Wind und Schäden durch umherfliegende Trümmer geschützt werden. 2011 baute man sogar eine Sirene in den ITV2 ein, damit man die Bevölkerung vor Tornados warnen konnte.Wenn Sie also das nächste mal in den Nachrichten eine Tornadomeldung für die USA sehen, ist vielleicht das TIV mittendrin.